PRESSEBERICHTE

Marx liest Ikea-Katalog  

Freie Presse 28.10.2009 

 

Chemnitz. Karl Marx steckt seine Nase ab morgen in einen Ikea-Katalog. Möglich macht dies die geplante Werbeaktion an der Brückenstraße. Das schwedische Möbelhaus baut zum 15. Geburtstag seiner Chemnitzer Niederlassung ein überdimensionales Buch vor dem Denkmal auf. Am Mittwoch wird bereits der Stahlsockel aufgestellt. Ab Donnerstag wirbt dann das Buch für vier Wochen vor dem Wahrzeichen der Stadt – und wird pünktlich vor Beginn des Weihnachtsmarktes wieder abgebaut, wie Raymond Döring, Geschäftsführer des Chemnitzer Ikea-Möbelhauses, am Dienstag versicherte. 

 

Der Zeitraum war eine der Bedingungen, an die das Rathaus seine Zustimmung für die spektakuläre Aktion geknüpft hatte: Die heftig diskutierte Idee darf einmalig für vier Wochen umgesetzt werden, und bis zum ersten Advent muss das Projekt beendet sein. Im Gegenzug zahlt das Möbelhaus 25.000 Euro für die Sanierung des reparaturbedürftigen Sockels und übernimmt ein Jahr die Pflege der Grünfläche nebenan. Wann die Arbeiten beginnen, darüber diskutiere man noch mit der Verwaltung, so Döring. 

 

»Kompliment an die Chemnitzer«

Dieser Tage hat der Möbelhaus-Chef alle Hände voll zu tun mit Geburtstagsvorbereitungen. Eine Werkhalle an der Heinrich-Lorenz-Straße ist Ort des Geschehens. Bei der Firma Steelconcept stand und lag am Dienstag noch das gut gehütete Geheimnis: In drei Einzelteile zerlegt, ist die Konstruktion für den Spezialtransport bereit. Binnen 14 Tagen hatten vier Mitarbeiter sie aus der fertigen Konstruktion laut Geschäftsführer Roger Herold hergestellt. 

 

Dabei lässt sich erahnen, welche Ausmaße das Projekt annimmt: 5,10 Meter hoch und 8 Meter breit, wird der Riesen-Katalog dem Bronzekopf vor die Nase gesetzt. »Der Marx muss ja was zu lesen haben«, kommentiert Döring. Die Bürger, so hat er zusammen mit den Werbern von der Agentur Haus E in Chemnitz ersonnen, sollen dafür im Buch ihre Geburtstags-Glückwünsche verewigen können, die sie beim Möbelhaus einreichen. 

 

Ikea wiederum danke ihnen ihre Treue mit der Aktion: »Sie ist ein Kompliment an die Chemnitzer, die mit sich und ihrer Tradition entspannt umgehen.« Das Riesen-Buch trage diesen Gedanken eher als eine Geburtstags-Postkartensendung, die Döring zu kleinkariert erschien. 

 

Lektüre wiegt über 27 Tonnen

Vor dem Marx-Monument montieren steelconcept-Mitarbeiter derweil die Einzelteile: In den Stahlsockel werden 20 Tonnen schwere Betonplatten gelegt, um den Fuß zu beschweren. Damit soll der Sockel jeder Windböe standhalten, so Ralf Wolfermann von Haus E. Überdies sei das gesamte Konstrukt statisch geprüft worden. Das Buch bringt 6,5 Tonnen auf die Waage: Alles in allem wiegt Marx' Lektüre also über 26 Tonnen und damit mehr als halb so viel wie die Bronzeplastik selbst. Je nach Standpunkt des Betrachters verändert sich der Gesamteindruck, so Döring: »Steht man davor, so verdeckt das Buch die Sicht auf das 13 Meter hohe Monument. Von der anderen Straßenseite her hingegen reicht es gerade bis zur Nase des Marx-Kopfes.« Zu den Herstellungskosten will er nichts Genaues sagen: »Einige Tausend Euro kommen zusammen.« 

 

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