PRESSEBERICHTE
»Deutsche Tugenden stehen in der Ukraine hoch im Kurs«
Unternehmer lassen sich Tipps für Expansion in osteuropäischen Markt geben – Pflege von aufgebauten Kontakten ist besonders wichtig
Osteuropa gilt als wichtiger Zukunftsmarkt. Auch in der Ukraine werden daher zunehmend deutsche Firmen aktiv. Über die Chancen und Risiken diskutierten jetzt etwa 90 Unternehmer bei einem Chemnitzer Wirtschaftsforum.
Chemnitz. Bereits seit vier Jahren baut Roger Herold, Geschäftsführer des Chemnitzer Stahlbauers steelconcept, mit seinem Tochterunternehmen Steelart in der Ukraine Hallen aus Stahlträgern. Vier Jahre, in denen Herold zwar Lehrgeld zahlen musste, aber auch mit Vorurteilen aufräumen konnte. »Die Ukraine wird oft nur als Billiglohnland angesehen, in das Arbeitsplätze verlagert werden«, sagt er. Durch das Engagement deutscher Firmen würden aber gerade in der hiesigen Region Arbeitsplätze geschaffen. Viele Hallenteile lasse er in Chemnitz produzieren und in der Ukraine montieren. Mittlerweile funktioniere die Zusammenarbeit so gut das steelconcept bereits nach Russland expandiere. Der Weg dahin sei nicht einfach gewesen, so Herold. Gerade die kulturellen Unterschiede hätten anfangs Probleme bereitet.
»Das war ein großes Abenteuer«, weiß Ralf Piescek, der für Steelart in der Ukraine die Geschäfte leitet. »Alles was man hier gelernt hat, kann man dort vergessen. Statt Ordnung gibt es Planlosigkeit. Wenn es eng wird, lassen die Ukrainer einen aber nicht hängen.« Kontakte seien besonders wichtig. Nur so könne man bei Behörden zügig Genehmigungen erhalten. »Man muss sich auf die Menschen einstellen und Stück für Stück das deutsche Denken einfrieren«, sagt Piescek.
Tipps an Unternehmen, die sich in der Ukraine ansiedeln wollen, gibt auch Ralf Lowack gern weiter. Seit 1997 ist er dort als Unternehmensberater tätig. Das Land kennt er genau. »Trotz politischer Dauerkrise, gibt es eine erstaunliche Wirtschaftsentwicklung.« Gerade deutsche Firmen könnten an dieser teilhaben. »Die deutschen Tugenden wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit stehen in der Ukraine hoch im Kurs. Das ist ein Wettbewerbsvorteil. Man muss ihn aber täglich unter Beweis stellen«, sagt Lowack. Wichtig sei es auch, aufgebaute Kontakte zu pflegen. »Das geht nicht mit einem Standardkugelschreiber, sondern zum Beispiel mit einer kleinen Pralinenschachtel.« Gleichzeitig warnt der Unternehmensberater vor der weit verbreiteten Korruption: »Wer erstmal in solchen Kreisen drin ist, kommt nicht mehr raus.«
Ein Engagement in der Ukraine prüft Michael Wintermann, der bei der Thyssen-Krupp Schulte GmbH für den Vertrieb von Stahlteilen zuständig ist. »Es gibt die Idee, einen Handelsstützpunkt zu errichten. Die Investition will überlegt sein. Wenn man sich gut vorbereitet, sind die Chancen größer als die Risiken." Ähnlich sieht das Michaela Vogel, die für das Versandhaus Witt den Absatzmarkt Ukraine prüft. »Für uns ist das Land sehr interessant. Die Probleme, die es gibt, sehen wir als Herausforderung an.«

